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  • Jana Lucas

Kunstwerk des Tages – 26.03.2020


Konrad Witz, Der wunderbare Fischzug, Flügel des Petrusaltars, signiert und datiert 1444 auf dem Originalrahmen, 149 x 171 cm (inkl. Rahmen), Musée d’art et d’histoire, Genf.


Für alle, denen inzwischen etwas Weite und Ausblick im Homeoffice fehlt, gibt es heute eine Panoramaaussicht von Konrad Witz (um 1400–um 1445/47). Präzise schildert der Maler das Ufer des Genfersees mit den durch das Wasser durchscheinenden Steinen und präsentiert die sich hinter dem See staffelnden Berge der Voirons, den Kegel des Môle, der über dem Haupt Jesu gleichsam einen zweiten Heiligenschein bildet, den rechts davon liegenden Petit Salève und schliesslich im Hintergrund die Gletscher des Montblanc-Massivs. Am Seeufer scheint der in Profilansicht wiedergegebene, rot gewandete Christus auf dem seichten Wasser zu schweben. Der Auferstandene blickt auf den ihm im Wasser entgegeneilenden Petrus, welcher aus einem mit sechs Fischern besetzten Weidling gesprungen ist.


Die Altartafel zeigt eine annähernd realistische, topografisch genaue Wiedergabe der Natur und keine reine Ideallandschaft – ein Novum in der europäischen Malerei. Sie befand sich ursprünglich in der dem hl. Petrus geweihten Kathedrale von Genf. Konrad Witz hat sich mit diesem Bild aus dem Jahr 1444 von der Künstlerkonkurrenz im süddeutschen und Schweizer Raum abgesetzt. Landschaftsbilder gab es zuvor zwar in stilisierter Form, etwa in der Buch- und Wandmalerei, jedoch nicht mit diesem bewusst intendierten Wiedererkennungswert.


Das Bildprogramm des Petrusaltars ist komplex gedacht und kommuniziert zahlreiche kirchenpolitische Botschaften. Unter anderem ist der Weidling mit Petrus und fünf weiteren Jüngern als Symbol der Kirche zu verstehen. Allerdings ist diese nicht im römischen Kirchenstaat beheimatet, sondern in Savoyen angesiedelt, auf das wir im Bild blicken. Damit alle verstehen, dass es sich bei dieser wohlgeordneten Landschaft um Savoyen handelt, lässt Witz zusätzlich zu den charakteristischen Landschaftsmerkmalen im Bildmittelgrund einen Reiter das savoyische Banner tragen. Denn der prestigeträchtige Auftrag für das Altarretabel stammte aus dem Umfeld des Konzilspapstes Felix V. (1383–1451), dem vormaligen Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, dessen Herrschaftsgebiet auf der Tafel dargestellt ist. Der künstlerischen Innovation des neuen Realitätsbezugs liegt also auch eine kirchenpolitische Notwendigkeit zugrunde.


Links neben dem Turm reitet ein Soldat mit dem Banner Savoyens.

Wie kam Konrad Witz zu diesem Projekt? Betrachtet man das Leben von Konrad Witz genauer, merkt man schnell, dass der Maler nicht nur künstlerisch, sonders auch unternehmerisch überaus begabt war. Um 1400 im württembergischen Rottweil geboren, liess sich Witz Anfang der 1430er Jahre in der damaligen freien Reichsstadt Basel nieder, wo seit dem Sommer 1431 das Konzil tagte. Basel galt damals für wenige Jahre als Mittelpunkt der Christenheit. Für Künstler gab es kaum eine bessere Marktsituation als das Konzil, ein Megaevent, zu dem zahlreiche Bischöfe, Kardinäle, Kleriker, Gelehrte und Herrscher aus ganz Europa nach Basel reisten. Man kann sagen, Konrad Witz kam zur richtigen Zeit an den richtigen Ort und nutzte die Gunst der Stunde. In Basel heiratete Witz in eine ortsansässige Künstlerfamilie hinein und etablierte im Verlauf der Jahre eine florierende Werkstatt mit mehreren Mitarbeitenden. Schliesslich gelang es ihm sogar, nach der Spaltung der Konzilsversammlung für den in Basel gewählten Konzilspapst Felix V. zu arbeiten.


Konrad Witz schaffte es, ein Unternehmen aufzubauen, das durch verschiedene Kundengruppen, Produkte und Dienstleistungen abgesichert war. Er stattete städtische Immobilien wie das Kornhaus in Basel mit Wandmalereien aus, er produzierte aussergewöhnliche Altarbilder für den hohen Klerus wie den Genfer Altar, er liess Bücher in seiner Werkstatt illuminieren, er stellte preziöse Spielkarten für den Adel her, er arbeitete für Kirchen und Klöster der Region und produzierte Kunstwerke für den freien Markt. Zudem wird er wie die meisten Künstler seiner Zeit Gebrauchskunst wie bemalte Fahnen hergestellt haben. Die Werkstatt offerierte also ein breites Angebotsspektrum unter der Marke ‚Konrad Witz’.


Was im Spätmittelalter funktionierte, ist auch heute noch aktuell, insbesondere in Krisenzeiten. Wir sehen am Beispiel von Konrad Witz, dass ein gesundes Unternehmen unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen benötigt. Und eine zweifelsfreie Erkenntnis der vergangenen Wochen ist, dass zukunftsfähige Angebote sowohl offline als auch online funktionieren und bestenfalls auch passives Einkommen generieren sollten. Zudem, so sehen wir bei Witz, kreiert der Maler mit seinen innovativen Bildern Produkte mit einem klaren USP und schafft mit seinen Werken einen umfassenden Kundennutzen, der über ein rein ästhetisches Gefallen hinausgeht. Und schliesslich unterstreicht das Beispiel Witz einmal mehr, wie wesentlich exzellentes Netzwerken für den unternehmerischen Erfolg ist.


Die aktuelle Krise bietet die Möglichkeit zu überlegen, wozu wir fähig sind und was wir wirklich erreichen können. Ähnlich wie ein Kunstwerk lässt sich auch das eigene Geschäftsmodell auf Herz und Nieren prüfen und befragen:


  • Sind wir mit den richtigen Menschen vernetzt?

  • Wer ist unser idealer Kunde?

  • Sind wir mit unseren Angeboten am richtigen Ort?

  • Sind die Angebote ausreichend divers?

  • Haben wir ein USP, das uns konkurrenzlos macht?

  • Durch welche innovativen Verbesserungen können wir mit unseren Produkten und Dienstleistungen einen aussergewöhnlichen Kundennutzen erzeugen?

  • Was wollen wir mit unserer Arbeit bewirken?

  • Was können wir neu denken?

  • Und das Wichtigste, haben wir den Mut, etwas ganz anders als alle anderen zu machen?


Irgendwann wird die Phase des Lockdowns zu Ende sein und die Wirtschaft wird unter neuen Voraussetzungen wieder Schwung aufnehmen. Vieles werden wir dann neu denken müssen. Konsumgewohnheiten werden sich tiefgreifend ändern. Forderungen nach mehr ökonomischer, sozialer, ökologischer und kultureller Nachhaltigkeit werden im Raum stehen. Und auch die Bedeutung eines funktionierenden Gemeinwesens wird neue Relevanz erhalten. Wer heute beginnt sich diesbezüglich die richtigen Fragen zu stellen, passende Strategien zu entwickeln und etwas Innovatives zu wagen, hat langfristig die Nase vorn.



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