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  • Jana Lucas

Das Katharina Grosse Prinzip

Im Management wie in der Kunst geht es darum, neue Lösungen zu entwickeln und das in einer Situation oder einem Material liegende Potenzial bestmöglich zu gestalten. Dazu braucht es Mut, die Grenzen des Gewohnten zu überschreiten und die Fähigkeit zu erkennen, was möglich ist.


„Katharina Grosse. It Wasn’t Us“, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für

Gegenwart – Berlin, 2020 / Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin, London, Tokyo / Gagosian /

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien © Katharina Grosse / VG

Bild-Kunst, Bonn 2020 / Foto: Jens Ziehe


Welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn wir gewohnte Handlungsabläufe hinter uns lassen, führt die Arbeitsweise von Katharina Grosse eindrucksvoll vor Augen. Die Malerin begann in den 1990er Jahren ihren Malprozess neu zu definieren. Anstatt mit einem Pinsel zu malen, sprühte sie nun die Farben mit einer Sprühpistole an Wände und überschritt damit den begrenzten Raum der Leinwand. Eine ihrer ersten Arbeiten dieser Art war eine mit grüner Acrylfarbe besprühte Ecke in der Kunsthalle Bern.


Malerei kann alles verändern

Mittlerweile zählt Grosse zu den Stars der internationalen Kunstszene. Längst beschränkt sich die Künstlerin nicht mehr auf einzelne Wandflächen, sondern besprüht mit leuchtend-intensiven Farben ganze Häuser, Strassen, Bäume oder Strandabschnitte. Dabei lotet sie mit jedem Werk ihre künstlerische Handlungsmacht aufs Neue aus. Zentral ist dabei die Annahme, dass Malerei an allen Orten einen Platz finden, überall eindringen und alles verändern kann. Vor nichts macht die Künstlerin Halt, sodass ihre expansiven Bilder zwischen grosser Sinnlichkeit und Aggressivität oszillieren.


Ihr neuestes Werk hat die Malerin in wochenlanger Arbeit während des Lockdowns im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin realisiert. Unter dem Titel ”It Wasn’t Us” hat Katharina Grosse ein grandioses Gemälde entwickelt, das sich von der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs über den Vorplatz und das Aussengelände bis hin zu den 300 Meter langen Rieckhallen erstreckt.

Beim Betreten der historischen Halle liegt eine riesige, seeartige Farbfläche vor einem, aus der sich am anderen Ende des Raumes bis zu acht Meter hohe Polystyrolskulpturen erheben. Auch diese hat die Künstlerin mit Farben überzogen. Die scharfen Kanten, Rillen und Furchen der gebirgsartigen Styroporgebilde setzen den rhythmischen Farbflächen blickführende Linien und Konturen entgegen, wodurch das Werk eine zusätzliche Dimension erhält.


Distanz schafft Überblick

Beim Betrachten dieses Megagemäldes verschafft erst die Distanz einen Überblick. Zugleich lädt das opulente Werk ein, direkt darin einzutauchen und die Farben in all ihren Nuancen zusammen mit den verschiedenen Spuren des Malprozesses aus nächster Nähe wahrzunehmen. Während die Farben auf dem Steinboden in der Halle eine kühle, metallische Qualität entwickeln, muten das Violett, Weiss, Rot, Gelb, Grün oder Pink auf dem schwarzen Asphalt des Aussenraumes beinahe warm und samtig an. Auf den einzelnen Farbflächen zu stehen, darin einzutauchen und aus dem Werk heraus etwa auf die grüne Wiese zu schauen, zählt genauso zum sinnlichen Erleben dieses Farbklanges wie auf das Werk von aussen zu blicken.


„Katharina Grosse. It Wasn’t Us“, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für

Gegenwart – Berlin, 2020 / Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin, London, Tokyo / Gagosian /

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien © Katharina Grosse / VG

Bild-Kunst, Bonn 2020 / Foto: Jens Ziehe


In grossen Dimensionen denken

Die Arbeiten von Katharina Grosse demonstrieren, dass es sich lohnt, in grossen Massstäben zu denken. Dabei geht es keineswegs darum, die Dinge komplett neu zu erfinden, sondern zu erkennen, welche Konstanzen verändert werden müssen, um wirkungsvolle Schritte zu setzen, anstatt ein Leben lang auf der Stelle zu treten.


In Hinblick auf das Prinzip Malerei hat Katharina Grosse zwei zentrale Punkte neu ausgerichtet: das Malwerkzeug und den Bildträger. Statt mit einem Pinsel malt sie mit einer Sprühpistole. Dadurch gelingt es ihr einerseits in grösseren Dimensionen zu arbeiten, andererseits erreicht sie mit der Sprühpistole weiter und höher entfernte Orte im Gegensatz zu einem relativ kurzen Pinsel. Zweitens steht der Malerin statt einer traditionellen Leinwand die gesamte Umwelt zur Verfügung.

  • Was wird möglich, wenn Sie ihre traditionellen „Werkzeuge“ variieren und in grösseren Dimensionen denken?

  • Auf welche Bereiche können Sie Ihre Arbeit ausdehnen, um Ihre Wirkung zu vervielfältigen?

  • Welche Stellschrauben können Sie verändern, um zu Ihrem ganz eigenen Ausdruck zu finden?

Machen auch Sie sich das Arbeitsprinzip von Katharina Grosse zunutze und überlegen Sie, durch welche Schritte sich die zentralen Koordinaten Ihrer Arbeitsweise auf eine ganz neue Stufe heben lassen.

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Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Katharina Grosse. It Wasn’t Us

14. Juni 2020 – 10. Januar 2021

Für den Besuch der Ausstellung sind aktuell Zeitfenster-Tickets notwendig.



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© 2020 by Jana Lucas.

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